Meine erste Montierung war ebenfalls von Vixen -
eine
legendäre "New Polaris". Ursprünglich hatte ich sie mit anschraubbaren
Nachführmotoren in beiden Achsen, einer Sinus II Steuerung von Boxdörfer
und einer Russentonne auf einem Holzstativ 1995 gebraucht gekauft. Dies
war mein Einstieg in die Beobachtertätigkeit.
Bald
erwuchs in mir der Wunsch nach Fotografien, aber die Montierung war nur für
kurze Belichtungszeiten zu gebrauchen. Ein heftiger Schneckenfehler und
leichte Instabilität in Folge allzu häufiger Reisen mit den damit
verbundenen Schrammen und Remplern verhinderte lange Belichtungszeiten.
Nachdem mit Webcam, diversen astrotauglichen
Videokameras und digitalen Spiegelreflexkameras die Chiptechnik in der
Astroszene Einzug hielt und die Belichtungszeiten drastisch sanken,
versuchte ich es noch einmal mit der alten NP Montierung,
Webcamaufnahmen der Planeten wurden dabei recht gut. Aber mehr als 10
Sekunden Belichtungszeit waren trotz einiger Versuche, die Montierung zu
optimieren, nicht machbar. Also entschloß ich mich schweren Herzens,
eine neue Montierung zu kaufen.
Meine
wichtigsten Kriterien waren:
- Reisetauglichkeit
- geringes Gewicht (Flugreisen)
- Stabilität
- Steuerung mit Nachführkorrekturoption
- Preis
Nachdem ich in diversen Zeitschriften die
Beschreibungen der aktuellen Montierungstypen studiert hatte,
interessierte ich mich für die Sphinx. Beim Fernrohrland in Fellbach
durfte ich eine solche Montierung in den Geschäftsräumen alleine
aufbauen. Dabei überzeugte mich das Gewicht und die Stabilität dieser
Montierung. Ich werde nicht kräftiger mit den Jahren und muß die
Montierung auch zukünftig nachts im Feld alleine aufbauen können.
Hier meine ersten Erfahrungen mit ihr:
Die Montierung macht einen äußerst stabilen Eindruck.
Kein Gefummel mehr mit dem Anbauen von Motoren, nicht tausend fuzzelige
Schräubchen anziehen, einfach die komplette Montierung aus der
Verpackung rausnehmen und auf das Alu-Stativ SX-HAL 110 draufschrauben.
Stativ genau nach Norden ausrichten, Polhöhe auf Beobachtungsposition
einstellen, Teleskoptubus mit Prismenschiene einklinken und
festschrauben. Jetzt nur noch den Tubus auf der RE Achse ausbalancieren,
dann die
Gegengewichtsstange rausziehen, Gewicht draufstecken, festklemmen und
das Teleskop in der Stundenachse ausbalancieren, fertig.
Dieser Aufbau dauert bei mir ca. 3-5 Minuten, ich kann alle Teile
alleine tragen, brauche tatsächlich keine weitere helfende Hand, das
schaffe ich wirklich locker vom Gewicht her, ist auch im Dunkeln mit
einer Stirnlampe prima alleine zu schaffen...
Ich habe einen 6" Newton drauf, da reicht das kleinste Gegengewicht
völlig aus. Damit ich bei zenitnahen Objekten noch ohne Leiter etwas im
OAZ sehe, habe ich die Beine vom Stativ überhaupt nicht ausgezogen. In
der Position ist das Alustativ sehr stabil und absolut verwindungssteif.
Finde ich sehr erfreulich :-))
Starbook mit dem mitgelieferten Kabel anstöpseln, Stromversorgung ein
und los geht es...
Etwas gewöhnungsbedürftig finde ich, daß man jedesmal erst einige
Einstellungen machen muß, ehe die Montierung losläuft :-((...
Bei meiner Sinus habe ich eingeschaltet und die Motoren liefen los, dann
hab ich das Teleskop in den Arm genommen und positioniert...
Nimmt man die Montierung zum ersten Mal in Betrieb, muß die eigene
Position und die Uhrzeit eingegeben werden. Das merkt sich das Starbook
und zukünftig braucht man das nicht mehr eingeben. Beim Zeitumstellen
muß aber manuell die neue Zeit (MESZ, MEZ) eingegeben werden. Leider
kann man die Position nicht auf mehrere Kommastellen genau angeben. Im
Zeitalter von GPS Positionen schade...
Beim Starten stellt man das Teleskop zuerst wagrecht (da sind extra
Markierungen an den beiden Achsen), damit das Teil in etwa "weiß", wohin es
guckt. Dann muß man bestätigen, daß man nicht ohne Filter in die Sonne
guckt, dann kommt der "Kartenmodus" (ab jetzt läuft der RA Motor) und
man geht mit Knöpflesdrücken auf dem "Gameboy" auf das erste Objekt, das
man angucken will. Hat man die Position im Fadenkreuz auf dem Display,
wechselt man in den "Teleskopmodus" und drückt auf Goto. Vorsicht,
das Teleskop fährt recht zackig
die Position an. Ich bin richtig erschrocken, wie schnell das ging...
Dabei brauchen die Motoren heftig Strom, ich hatte frisch gekaufte
Batterien im Block, die haben recht schnell den Geist aufgegeben und das
Display vom Starbook hat sich ausgeschaltet. Der RA-Motor lief dabei
weiter, aber ich habe nichts mehr auf dem Display gesehen und konnte
auch nichts mehr eingeben, nur noch den Ausschaltknopf an der Montierung
drücken...
Stefan Korth von Vixen gab mir den Rat, meine Stromversorgung zu
überprüfen. So eine Reaktion gäbe es, wenn die Spannung zusammenbricht...
Also lud ich meinen großen Akkublock von Panasonic
(12V, 7,2 Ah / 20 HR) mal ganz
voll und teste mit dem vollen Akku das Ganze noch
einmal. Und jetzt hatte ich keine Probleme mehr. 7 Stunden mit etlichen
Schwenks quer über den Himmel packte der Akku locker. Die Steuerung
stieg nicht ein einziges Mal aus
:-))...
In ein paar Wolkenlücken konnte ich vorgestern erst einmal auf die Sonne
halten. Einnorden war kein Problem, ich habe mich an den Plättle von
meinem Balkon orientiert. Die verlaufen annähernd Nord/Süd. Die Sonne
blieb bei kleiner Vergrößerung 30 Minuten im Gesichtsfeld. Also wurde
ich mutig und habe den 1 1/4" OAZ vom Newton abgeschraubt und meine EOS
ans T2 Gewinde rangeschraubt. Dabei bin ich aus Versehen 2x mit dem Fuß
ans Stativ gestoßen. Trotzdem war die Sonne noch im Sucher der EOS drinn.
Hey, das war prima :-))...
Mit meiner alten NP Montierung hätte ich so eine
Aktion nicht hinbekommen. Da mußte ich immer nach dem Umbau das Objekt
neu suchen...
Falls man auch tagsüber Sonne oder Planeten gucken will, wird es mit dem
Starbook problematisch. Ich konnte rein garnichts auf dem Display
erkennen. Selbst in meiner großzügigen Schattenbox für den Laptop konnte
ich das Display nur schlecht erkennen, also habe ich "blind" die Knöpfles
gedrückt, bis der RA Motor anlief und habe die Sonne dann von Hand bei
geöffneter Klemmung eingestellt...
Wie ich tagsüber mal Venus einstellen soll ist mir bei
dem Teil noch nicht klar, aber vielleicht finde ich noch eine
Möglichkeit, ich muß die Bedienungsanleitung zum Starbook noch ein paar
mal studieren...
Beim ersten nächtlichen Test auf dem Balkon war ich
hocherfreut - nachdem ich 6 Referenzsterne im Laufe des Abends
eingestellt hatte, traf ich bei Schwenks um 15 Grad am Himmel alle
ausgewählten Objekte recht gut. Mutig geworden, stopfte ich die Webcam
rein und testete M13.
Die Montierung ließ sich überraschend einfach bei dem
wirklich winzigen Gesichtsfeld der Webcam steuern, auch ohne Polarstern
hatte ich die Nordrichtung recht gut getroffen und somit kaum Drift.
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11 " Drift in 920
Sekunden |
Während der Aufnahme zogen mehrmals Schleierwolken und auch fette
Brummer durch das Gesichtsfeld. Somit konnte ich nur 75 Bilder aus dem
200 Bildern umfassenden AVI verwenden, die Belichtungszeit lag bei
jeweils 10 Sekunden. Um die Hotpixel zu entfernen, habe ich ein schwarzs
T-Shirt über die Öffnung gelegt und 50 Darks mit der selben
Belichtungszeit aufgenommen. Nach der Bearbeitung der beiden Filme hatte
ich dieses Bild:
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First Light am
27.8.2005
M13 mit Webcam
75 x 10 Sekunden |
In der Zeit, in der mein Laptop das Bild von M13
berechnete, zogen dicke Wolken durch, aber es wurde noch einmal klar und
so peilte ich M57 an.
Auch hier hatte ich einen Erfolg:
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First Light am
27.8.2005
M57 mit Webcam
62 x 12 Sekunden |
Anschließend peilte ich einfach mal die Milchstraße im
Schwan an, viel Sterngewusel und bei manchen Sterne konnte ich Farben
erkennen. Hier das Summenbild aus 110 Einzelbildern zu je 13 Sekunden
Belichtungszeit...
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First Light am
27.8.2005
NGC 7067 mit Webcam
110 x 13 Sekunden |
Erst beim Abbauen wurde mir bewußt, daß ich ja noch den
IR-UV Filter von den Planetenaufnahmen am Webcam-Adapter drauf hatte.
Bei deepsky Objekten kann ich den weglassen, dann habe ich mehr Licht
auf dem Chip... Nicht schlecht für einen ersten Test :-))
Schau mer mal, wie es das nächste Mal bei
absolut klarem Himmel und besserer Einnordung wird...
Mit der Webcam im Focus meines Newtons
habe ich ein Gesichtsfeld von 17 x 12,5 Bogenminuten, ein Pixel
entspricht somit 0,8 x 0,8 Bogensekunden.
In Kärnten auf der Emberger Alm erfolgte
der weitere Test der Montierung, und ich bin absolut zufrieden.
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Variable Zwergnova im äußeren Halo
von M27 am 2.9.05, zwischen Mitternacht und 1 Uhr MESZ,
Webcamsummenbild mit 80 x 20 Sekunden Belichtungszeit, Darkabzug,
kontrastgesteigert und tonwertkorrigiert |
Gut
aufgestellt, vernünftig auf den Pol ausgerichtet, konnte ich problemlos
8 Minuten mit der EOS huckepack auf meinem Newton ohne Nachführkontrolle fotografieren. Die
Rohbilder waren grausig, lauter bunte Fehlerpixel und heftiges rosa
Glühen in den Ecken, aber 5 Darks der selben Belichtungszeit gemittelt
und von jeder Aufnahme abgezogen ergaben nach ein bissy Bildbearbeitung
dieses Bild :-))...
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NGC 7000 und Umgebung:
am 3.9.05 mit 55 mm Brennweite bei Blende
6.3 (Ausschnitt auf 25% verkleinert), Summenbild aus 3 Aufnahmen zu
jeweils 8 Minuten Belichtungszeit
EOS 300D Huckepack auf meinem 6" Newton: |
Es war extrem feucht, teilweise hatte
ich richtige Tautropfen auf dem Starbook, in 1 Nacht hatte ich sogar ne
Wasserschicht auf meinem Hauptspiegel, aber der "Gamenboy" hat das
locker ausgehalten. Er lag entweder neben meinem Laptop in der
"Dunkelkammer" um die anderen Beobachter nicht zu stören, oder direkt
auf der Ablageplatte unter der Sphinx. Die lief von 21 -5 Uhr
durchgehend, auch wenn der Himmel mal für 1-2 Stunden dicht war mit
Wolken/Nebel. Ich habe gleichzeitig getestet, ob mein Akkublock ne Nacht
durchhält. Das tut er... Und braucht dann etwa 14 Stunden Ladezeit. Ist
also Abends wieder voll für die nächste Beobachtungsnacht...
Wer mit der Sphinx fotografieren will,
muß sich unbedingt ne Verlängerungsstrippe für das Starbook kaufen oder
aus der Gruschtelkiste holen. Das Starbook neben dem Laptop in der
Dunkelkammer war genial. Mit Goto die Objekte angefahren, mittig
gestellt und dann nur noch auf den Auslöser drücken. War fast schon
dekadent :-))...
Negativ fand ich allerdings, daß die Knöpfe des
Starbooks nicht beleuchtet oder zumindest unterscheidbar beim Tasten mit
dem Finger waren.
Abhilfe schafft da nur, was draufzukleben,
Pfeile oder andere Reliefteile...
Für "zarte
Frauenhände" ist das Starbook ca. 2 cm zu breit, ich konnte mit 1 Hand
das Teil nicht sicher bedienen, ich mußte es immer in beide Hände
nehmen. Das gab Gleichgewichtsprobleme bei manchen Einblicken ins
Okular....
Abhilfe könnte hier ein
drangeklebter "Stiehl" bringen. Schau mer mal...
2 Jahre später:
Mittlerweile steht die Sphinx auf
meinem Balkon und trägt seit November 2006 einen 8" Newton, f=5,
das Gewicht des Newtons verkraftet sie wunderbar - sie ist jetzt mein
Standardgerät für Planetenbeobachtung. Die notwendige Brennweite
erreiche ich über Okularprojektion, die 1000 mm Originalbrennweite blase
ich damit bis zu 8 Metern auf :-))...
Bei Planeten nehme ich entweder die
Farbwebcam (Jupiter, Saturn) oder das Videomodul SK 1004-X mit
speziellen Filtern für Beobachtungen im IR-Licht oder bei Venus auch den
U-Filter von Schüler, um Wolkenstrukturen auf Venus zu dokumentieren.
Mittlerweile habe ich meinen Standort
mit genügend hoher Genauigkeit eingegeben, um auch am Taghimmel helle
Sterne oder Planeten zu finden.
Venus z.B. steht jetzt beim Anfahren
am Taghimmel im Sucher. Zwar nicht ganz mittig, aber doch immer im
selben Quadranten des Suchers, so daß ich sie durch leichtes Verfahren
mit dem Starbook mittig zentrieren kann. Hier mal eine kleine Auswahl an
Planetenbildern:

Mars mit 6" Newton bei f = 40,
Webcamaufnahme |
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Saturn mit 8" Newton bei f = 40,
Webcamaufnahme |

Venus mit 8" Newton bei f = 40,
Videoaufnahme mit UV-Filter |
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Jupiter mit 8" Newton bei f = 40,
Videoaufnahme mit IR-Filter |
Und noch ein Jahr später:
Seit 2008 habe ich eine s/w
Firewirecam von The Imaging Source, die DMK 21AF04.AS. Mit einem
Filterrad und Farbfiltern fotografiere ich damit Planeten.
Meinen 8" Newton habe ich mittlerweile
mit DC-Fix Folie beklebt, dadurch wird er tagsüber nicht so warm und
benötigt weniger Zeit zum Auskühlen. Auch tagsüber lassen sich damit
jetzt wunderbar Aufnahmen von Sonne, Mond, Venus und auch Jupiter
machen. Meine gesammelten Planetenbilder sind hier zu finden:
http://www.sternwarte-zollern-alb.de/mitarbeiterseiten/kowollik/
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